Jona.Solv
[08.07.2026] | // EINTRAG_NOTIZ

Vom digitalen Meißel: Warum ich als Autor KI verwende (und warum mein Buch trotzdem zu 100 % von mir stammt)

Vom digitalen Meißel: Warum ich als Autor KI verwende (und warum mein Buch trotzdem zu 100 % von mir stammt)

Es ist ein Thema, das aktuell die gesamte Industrie, Buch- und Kunstwelt spaltet: Künstliche Intelligenz. Schaut man sich auf Plattformen wie TikTok oder Instagram um, merkt man schnell, wie emotional und oft auch kritisch die Debatte geführt wird. Davon ist nicht nur der Buchmarkt betroffen. Auch beruflich habe ich täglich mit Generativer künstlicher Intelligenz zu tun. Ich kann aber hier aus dem Nähkästchen plaudern, dass aufgrund KI noch niemand seine Arbeitsstelle verloren hat - im Gegenteil. Kollegen werden dazu aufgerufen, sich selber einmal ein Bild zu machen, ob und wie KI einem den Alltag auch mit nur kleinen Problemlösern helfen kann. Nach einigen Tagen auf den sozialen Medien habe ich eine Tatsache gelernt: Viele Leserinnen und Leser haben Angst vor seelenlosem, komplett maschinengeneriertem Content, der den Markt überschwemmt.

Ich verstehe diese Sorge absolut. Ich würde lügen, würde ich behaupten es wäre anders. Ich habe mir bei manchen Büchern auch schon gedacht, dass das unter Garantie mit KI verfasst wurde. Aktuell sieht man auch verstärkt Beispiele bei seelenlosen Synchronisationen oder schlecht geschriebenen Plots bei den Streamingdiensten. Und gerade deshalb möchte ich heute ganz transparent sein und kein Geheimnis aus meinem Workflow machen: Ja, ich nutze KI für meinen kommenden Cyber-Noir-Thriller Meridas 5. Aber nein – die KI hat mir nicht die Story diktiert, mir die Charaktere erfunden oder das Buch auf Knopfdruck geschrieben. Die KI hatte nicht einmal Mitspracherecht bei der Handlung. Warum ich das Tool trotzdem nutze und warum das Ergebnis am Ende pure Autorenleistung ist, möchte ich euch hier ungeschönt erklären.

Der Mythos der „Knopfdruck-Story“

Es gibt die Vorstellung, man füttert eine KI mit drei Sätzen, wartet fünf Minuten und hält einen fertigen 550-Seiten-Thriller in den Händen. Jeder, der das jemals ernsthaft versucht hat, weiß: Das funktioniert nicht. So gar nicht. Eine KI hat kein Bewusstsein, keine eigenen Ängste, keine Traumata und keine echte, tiefgründige Kreativität oder Erfahrungen, auf die sie zurückgreifen könnte. Sie versteht nicht, wie man emotionale Bindungen aufbaut, Plottwists über hunderte Seiten hinweg strategisch plant oder eine packende Noir-Atmosphäre atmen lässt. Es stimmt, dass die Sprachmodelle mit den Werken von Menschen trainiert wurden, aber wenn man sich die Technik dahinter anschaut, was genau passiert, stellt man schnell fest, dass eine KI niemals einen Menschen ersetzen kann.

Um auch hier etwas aus meinen persönlichen Erfahrungen mitzuteilen. Beruflich musste ich mich mit den Grenzen von KI auseinandersetzen. Dabei habe ich versucht einen Text generieren zu lassen. Ein Text für eine Webseite. Vielleicht waren keine Tippfehler enthalten, vielleicht war auch die Grammatik perfekt gesetzt, aber was nicht gepasst hat waren die logischen Zusammenhänge. Ihr müsst Euch im Klaren sein, eine KI “errät” nur die Antwort die ihr sucht, anhand mathematischer Formeln. Ein Sprachmodell kann sich teilweise über einen relativ langen Zeitraum etwas merken, aber man merkt schnell, dss ein Kontext schneller gefüllt ist, als das ich meinen Kaffee nachgeschenkt hätte ;)

Die Welt von Meridas 5, der komplexe Plot, die Wendepunkte, die Dialoge und jeder einzelne psychologische Tiefschlag von Sonderermittler David Dean stammen zu 100 % aus meinem eigenen Kopf und meiner Rohfassung. Ich habe Stunden, Tage und Wochen vor dem Bildschirm verbracht, geplottet, mein digitales Notizgehirn in Obsidian gefüttert, habe mir Strukturen in meinem Vault angelegt und die Tasten glühen lassen. Das ist und bleibt die Seele des Buches. Zu den meisten Dingen habe ich mir Notizen gemacht, Personen beschrieben, überlegt wie Orte riechen können. Ich bin mir auch sicher, dass ihr das beim Lesen merken werdet.

Die KI als unermüdlicher „Co-Lektor“

Was macht die KI also in meinem Workflow? Ich nutze sie als hochentwickeltes Werkzeug für das, was man traditionell „Rundschleifen“ oder Lektorat nennt.

Wer intensiv schreibt, neigt zu Betriebsblindheit. Ich bin da weißgott keine Ausnahme. Man übersieht Wortwiederholungen, baut holprige Satzstrukturen oder verliert sich in zu verschachtelten Absätzen. Ein traditioneller Verlagsautor gibt seine Rohfassung an einen menschlichen Lektor, der genau diese handwerklichen Fehler korrigiert und den Ausdruck glättet – ohne dabei die Story zu verändern.

Genau diese Aufgabe übernimmt bei mir die KI. Sie ist mein unermüdlicher Co-Lektor. Ich füttere sie mit meinen geschriebenen Kapiteln und lasse sie den Satzbau auf Hochglanz polieren. Glaubt bitte nicht, dass das mit einem Prompt von wenigen Wörtern klappt. Wer jetzt glaubt ein Prompt wie “Lektoriere mir bitte diesen Text” würde funktionieren - weit gefehlt. Mein Prompt ist deutlich länger als mein Prolog von Meridas 5. Ich habe sehr hohe Anforderungen an mich selbst - so auch an die KI. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, eine Response (die Antwort einer KI) blind zu übernehmen. Ich prüfe jeden Vorschlag, verwerfe, was den Noir-Vibe nicht trifft (denn KI neigt manchmal dazu, zu glatt oder generisch zu werden), und setze das Ganze final zusammen. Die KI ist der digitale Meißel, aber die Skulptur habe ich entworfen.

Die Demokratisierung des Publizierens

Lasst uns kurz über die finanzielle Realität von Indie-Autoren sprechen. Ich habe mich wochenlang informiert und verglichen. Ein professionelles, menschliches Lektorat für ein Buch mit über 550 Seiten kostet im Normalfall zwischen 2.000 und 4.500 Euro (je nach Umfang). Für jemanden, der sein erstes Buch komplett in Eigenregie auf den Markt bringt, ist das ein riesiges finanzielles Risiko und oft schlicht unbezahlbar. Ich gebe hier auch gerne zu, dass ich auch hier dazu gehöre. Als Familienvater mit Frau und Kind darf und kann man nicht sich einem solchen finanziellen Risiko aussetzen.

Sollte man deshalb ein schlechteres, holpriges Produkt abliefern? Auf keinen Fall. Was ist das wichtigste am Schreiben? In meinen Augen zu wissen, dass die Zeit der Leser unendlich wertvoll ist. Es ist ein Ritterschlag, wenn ein Leser sich die Zeit nimmt 550 Seiten durchzulesen. Für mich bedeutet das, ich bin dafür verantwortlich, dass ich seine Zeit nicht verschwende. Mein Anspruch an mich selbst ist es daher, meinen Lesern die bestmögliche Qualität zu liefern. KI demokratisiert diesen Prozess: Sie ermöglicht es mir als unabhängiger Autor, ein handwerklich sauberes und flüssiges Leseerlebnis auf Verlagsniveau anzubieten, ohne mich dafür verschulden zu müssen.

Eine KI zu nutzen kann man bereits ab wenigen Euro im Monat. Wer eine entsprechend starke Hardware zu Hause stehen hat, kann die Kosten noch einmal senken und sich mit Ollama oder LM Studio auch lokale Sprachmodelle laden. Das was man lokal mittlerweile hinbekommt ist faszinierend. Auf meinem Macbook M1 läuft Gemma 4 superflüssig. Aus meinem beruflichen Alltag kann ich hier auch viel mit Automation arbeiten hinsichtlich Webseite, Sicherung und vielem mehr. (Wenn hier Interesse besteht, stelle ich gerne auch ein Behind-the-Scenes vor, damit Ihr eine Idee habt, was alles mit wenig Aufwand möglich ist)

Macht euch selbst ein Bild – Ganz ohne Hürden

Am Ende des Tages zählt nicht, welche Software auf dem Rechner lief, sondern ob die Geschichte dich packt, ob du mit David Dean im strömenden Regen von Meridas 5 mitfieberst und ob die Atmosphäre dich einsaugt.

Weil ich von der Qualität und dem Vibe meines Buches überzeugt bin und maximale Transparenz schätze, mache ich es euch so einfach wie möglich:

Ihr könnt euch die ersten 50 Seiten von Meridas 5 komplett kostenlos herunterladen. Ohne Anmeldung, ohne eure E-Mail-Adresse für einen Newsletter zu hinterlassen, ohne Login. Einfach direkt als Download.

Lest rein, fühlt den Cyber-Noir-Vibe und entscheidet selbst, ob die Geschichte eine Seele hat. In wenigen Wochen wird das eBook und eventuell zum Start auch das Taschenbuch bereit stehen. Habt ein Auge darauf, es wird auch eine Vorbestellerphase geben.

👉 Hier geht es direkt zum barrierefreien Download der Leseprobe

Ich bin gespannt auf eure Meinung! Wie steht ihr zum Thema KI als Werkzeug im Lektorat? Diskutiert gerne auf meinen Social-Media-Kanälen mit mir.

Euer
Jona

// ENDE_DER_AKTE — RECHNERKNOTEN_DEAN